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Carsten Niebuhr - Meldorfs Forscher

14.01.2019 07:00

Meldorfs Fenster in die Welt – Carsten Niebuhr

Mit Kunst mehr Aufmerksamkeit für Meldorfs Berühmtheit schaffen

Foto: Projektgruppe mit Museumsleiterin Dr. Jutta Müller, Bengt Busching und Künstlerin Sabine Kramer. Am Freitag, dem 3. Mai 2019, wird die Projektgruppe ihr Projektergebnis im Dom vorstellen -  Uhrzeit: im Anschluss an die Marktandacht.

Carsten Niebuhr zählt zu den Meldorfer Berühmtheiten. Eine Schülergruppe unserer GMS hat sich zum Ziel gesetzt, mit einem künstlerischen Projekt um Carsten Niebuhr einen Beitrag zur Steigerung seines Bekanntheitsgrades zu leisten. Inzwischen steht die Projektidee und das Künstlerische befindet sich in der praktischen Umsetzung. Dazu wurde die grafische Technik des Linolschnitts gewählt.  

Doch, den Anfang nahmen Recherchearbeiten: Schicksalsschläge prägten Carsten Niebuhrs Kindheit. Er wählte die Ausbildung zum Landmesser, einem Beruf mit zu damaliger Zeit großem Fachkräftemangel. Später folgte das Studium an der modernen Universität Göttingen. Hier wurde nicht nur aus Büchern gelehrt,  auch Exkursionen und Reisen standen auf dem Plan. Als 25-jähriger Student trat Carsten Niebuhr im Auftrag des dänischen Königs in Kopenhagen gemeinsam mit einer Forschergruppe eine Expedition  nach Arabien an. Diese war die erste Expeditionsreise in das noch sehr unbekannte Jemen, die ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken diente. Neben Niebuhr als Landmesser und Kartograph befanden sich auch ein Botaniker, ein Sprachforscher, ein Kupferstecher und ein Arzt unter der Forscherbesatzung. Im Dithmarscher Landesmuseum stießen die Jugendlichen unserer GMS auf eine Vitrine mit Niebuhrs Messinstrumenten und erhielten durch Museumsleiterin Dr. Jutta Müller weitere wichtige Informationen.  Gleichzeitig bestärkte sie die Schüler*innen in ihrem Projektvorhaben:  „Carsten Niebuhr ist in seinem forschenden Wirken von vergleichbarer Wichtigkeit wie Alexander von Humboldt.“ 

Die königlich-dänische Arabien-Expedition war vielen Widrigkeiten ausgesetzt. Dennoch erreichte die Gruppe Konstantinopel, forschte zwei Jahre in Ägypten und erkundete schließlich den Jemen mit seinen besonderen Kaffeebergen. Letztendlich nahm das Katastrophale seinen Lauf: Die Malaria ging um. Carsten Niebuhr blieb der einzige Überlebende. Sein Gesundheitszustand besserte sich in Indien. Er beschloss, den vorgesehenen Rückweg durch den Persischen Golf und das Zweistromland anzutreten. Niebuhr besuchte die Ruinen von Persepolis. Dort fertigte er als erster Kopien der in den Fels gehauenen Inschriften an und schuf damit die Voraussetzung, um die Keilschrift zu entschlüsseln.

Im November 1767 landete Carsten Niebuhr nach sechs Jahren wieder in Kopenhagen, wo man ihn und die Expedition schon fast vergessen hatte. Später nahm er,  inzwischen Familienvater zweier Kinder, das Amt des Landschreibers von Süderdithmarschen an. Seine Aufgabe bestand darin, Steuern bei den königlichen Untertanen einzuziehen. Gerne lud Peter B. G. Möller die Schüler*innen in seine Domgoldschmiede ein. Hier erfuhren die Jugendlichen, dass Carsten Niebuhr in Meldorf das geräumige Haus, die heutige Domgoldschmiede, wegen seiner dicken Mauern so gut gefallen habe, dass er es erwarb. Über sieben Kamine soll Niebuhr die Räumlichkeiten beheizt haben, um seine Schmerzen als Folge der Malaria zu lindern. Die Schüler*innen folgten gespannt Peter B.G. Möllers anschaulichen Beschreibungen,  der ergänzte: „Für diese sieben Kamine mussten Luxussteuern gezahlt werden.“ Nach und nach machten Niebuhr seine 1774 und 1778 erschienenen Bände seiner „Reisebeschreibung nach Arabien und anderen umliegenden Ländern“ bekannter. Europäische Gelehrte nahmen Kontakt zu ihm auf. In Meldorf verband Niebuhr eine Freundschaft mit dem Gelehrten und  Landvogt Heinrich Christian Boie. „Heute wird Niebuhr in Dänemark und Russland gelehrt“, berichtet Peter B.G. Möller . Für ihn ist Niebuhrs geringere Bekanntheit bei uns unverständlich. „Wir haben es hier mit einem Wissenschaftler zu tun, der unter anderem mit enormer Exaktheit die Pyramiden vermessen hat.“ Im April 1815 verstarb Carsten Niebuhr. Er ist im Meldorfer Dom begraben.

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